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Automobile

   
   
  August Horch - Pionier der deutschen Automobilindustrie
  Neben Mercedes-Benz und Porsche steht die Marke Audi für die lange Tradition des deutschen Automobilbaus. Geistiger Vater ist August Horch, gelernter Schmied und Ingenieur, der noch heute als Pionier der deutschen Automobilindustrie gefeiert wird. August Horch widmete sich seit seiner Anstellung bei Benz & Co. in Mannheim 1896-1898 der Verbesserung des Automobils. Mit Audi, lateinisch für "höre, horche!", leben die zwischen 1901-1931 gebauten Horch-Autos fort.
   
   
  Erstes Fahrgestell mit dem von August Horch entwickelten stoßfreien Motor, 1901.
 

   
  August Horch in einem seiner Automobile (*1868 Winningen/Mosel, †1951 Münchberg).
 
   
  125 Jahre Automobil - Geschichte und Bedeutung der Automobilindustrie in Rheinland-Pfalz
 

Wichtige Erfindungen für das Automobil wurden der Ausgangspunkt für die Entwicklung bekannter Unternehmen und einer leistungsfähigen Industriebranche mit heute rund 50.000 Beschäftigten in Rheinland-Pfalz.

So erfand der Maschinenbauer Nicolaus August Otto (1832-1891), geboren in Holzhausen an der Haide im Rhein-Lahn-Kreis, bereits 1876 das Prinzip des Viertaktmotors mit verdichte-ter Ladung. Im Brennraum des Otto-Motors wird dabei Gas entzündet, der entsprechende Druck bewegt einen Kolben, der wiederum eine Kurbelwelle antreibt. Seine Idee ließ Otto 1876 beim Kaiserlichen Reichspatentamt als DRP 532 schützen. Dieser „Leise Otto“ fand zunächst Verwendung in Industriemaschinen, in Handwerk und Landwirtschaft. Dank der Umstellung auf flüssige Brennstoffe konnte er 1884 auch in Verkehrsmitteln eingesetzt werden. Zwei Jahre später vollzogen dann Ottos ehemalige Mitarbeiter Gottlieb Daimler, Carl Benz und Wilhelm Maybach (geboren in Winningen an der Mosel) den endgültigen Schritt zur serienmäßigen Automobilfertigung.

Der gelernte Schmied und Ingenieur August Horch (*1868 Winningen/Mosel, †1951 in Münchberg) ist ein weiterer Pionier der deutschen Automobilindustrie. Er ist geistiger Vater der Marke Audi, die neben Mercedes-Benz und Porsche für die lange Tradition des deutschen Automobilbaus steht. Seit seiner Anstellung bei Benz & Co. in Mannheim 1896-1898 widmete sich Horch der Verbesserung des Automobils (z.B. entwickelte er einen stoßfreien Motor). 1899 gründete Horch mit einem Kapital von 30.000 Mark gemeinsam mit einem Teilhaber in Köln-Ehrenfeld die Firma "August Horch & Cie.". Neben der Reparatur von Automobilen widmete er sich vor allem der Konstruktion von Personenkraftwagen.

Die Bingerbrücker Firma Franz Kirsten spezialisierte sich bereits kurz nach ihrer Gründung 1930 auf Kleinschalter für Autos und erfand den Druckknopfschalter. Scheibenwischerschalter, Blinker, Warnblinkschalter und weitere Innovationen für das Cockpit folgten einige Jahre später. Franz Kirsten konzipierte seine Schalter dabei stets so, dass die optimale Sicherheit im Straßenverkehr gewährleistet wurde. Die Betriebsstätte der Fa. Kirsten wird heute von einem internationalen Automobilzulieferers fortgeführt.

Ebenfalls in Rheinland-Pfalz von Heinz Rath (geb. 1936), Chefingenieur bei Lucas Automo-tive (heute TRW) in Koblenz, wurde mit der „Colette“ die erste Hochleistungs-Scheibenbremse für Pkw entwickelt. Dank ihrer hohen thermischen Belastbarkeit und Korrosionsbeständigkeit hielt sie selbst extremer Beanspruchung stand. Deshalb setzten sie viele Autohersteller als Hinterradbremse mit integrierter Handbremse ein. Die „Colette“ kam 1975 zu ihrem ersten Einsatz und wurde seitdem ständig weiterentwickelt und u.a. auf das Anti-Blockier-System (ABS) abgestimmt.

In Kaiserslautern werden Rücksitze der A-Klasse von Mercedes und die meisten Autositz-Lehneneinsteller hergestellt. Der „Sitz 2000“ wurde von der Firma Keiper im Technischen Zentrum in Kaiserslautern entwickelt und besteht aus einem hochfesten Aluminium-Rohrrahmen mit Magnesium-Druckgussverbindung und ist in alle Modelle der A-Klasse ein-gebaut. Der ebenfalls hier entwickelte standardisierte Lehneneinsteller „Taumel 2000“ bündelt alle notwendigen Funktionen in acht Bauteilen und kann an die unterschiedlichsten Sitz-strukturen montiert werden.

Die Bedeutung der Automobilbranche für Rheinland-Pfalz

Automobilhersteller und Automobilzulieferer stellen gemessen an Umsatz und Beschäftigten die zweitgrößte Industriebranche (hinter der chemischen Industrie) in Rheinland-Pfalz dar. Gemeinsam erwirtschafteten sie in 2008 mit ihren 52.355 Beschäftigten einen Umsatz von gut 18,5 Mrd. €, was einem Anteil von 22% am gesamten Industrieumsatz in Rheinland-Pfalz und jedem 6. Industriearbeitsplatz entspricht. Alleine bei den 126 Zulieferbetrieben wurden 35.149 Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen gezählt.

Aufgrund der Vielzahl an verschiedenen Unternehmen in der Automobilbranche in Rheinland-Pfalz sollen hier nur einige wenige beispielhaft genannt werden. Zu den bekanntesten in Rheinland-Pfalz ansässigen Autoherstellern gehören die Adam Opel GmbH (Werk Kaiserslautern) und die Daimler AG in Wörth/Germersheim. Opel ist mit 3300 Mitarbeitern nach wie vor größter industrieller Arbeitgeber der Westpfalz und produziert in Kaiserslautern Fahrzeugkomponenten für Karosserie und Chassis aus Stahlblech oder Aluminium sowie Motoren und Motorenkomponenten. Hinzu kommt eine Motorenaufbereitung. Seit 2008 werden Kom-ponenten für den Opel Insignia produziert

Daimler produziert am Standort Wörth Mercedes-Benz Lkw der Baureihen ACTROS, ATEGO, AXOR, UNIMOG und ECONIC. Es ist das größte Lkw-Montagewerk der Welt mit derzeit um 11.000 Beschäftigten. Am Standort Germersheim (dort aktuell nochmals ca. 2.900 Mitarbeiter) wird die weltweite Ersatzteilversorgung gesteuert, sowohl für alle Mercedes-Benz Trucks und Pkw als auch für alle weiteren Marken des Konzerns.

Im Bereich Nutzfahrzeuge/landwirtschaftliche Bearbeitungsmaschinen erarbeitet das Unter-nehmen John Deere in seinem neuen, erst im Juni 2010 eingeweihten ’European Technology Innovation Center’ in Kaiserslautern Zukunftsentwicklungen. Gemeinsam mit den Produkt-entwicklungsabteilungen der Fabriken, u.a. ein Mähdrescherwerk in Zweibrücken, werden diese zur Serienreife gebracht. Einer der Schwerpunkte liegt dabei auf dem Gebiet der "Präzi-sionslandwirtschaft", in dem das Unternehmen bereits eine führende Stellung in der Branche einnimmt. Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf der Integration von "intelligenten Technolo-gien" und der Elektronik in Landmaschinen.

Zu den wichtigsten und bekanntesten Automobilzulieferern in Rheinland-Pfalz gehören die BorgWarner Turbolader Systems GmbH in Kirchheimbolanden, die Faurecia GmbH mit Werken in Wörth, Hagenbach und Scheuerfeld (insbesondere Fahrzeuginnenverkleidungen), die Johann Hay GmbH & Co KG in Bad Sobernheim (Motor-, Getriebe- und Achsenkompo-nenten), die KEIPER GmbH & Co KG in Kaiserslautern und Rockenhausen (hochwertige Metallkomponenten und -strukturen für Fahrzeugsitze), die Heinrich Gillet GmbH (Tenneco Inc.) in Edenkoben (Abgassystemtechnik) sowie die TRW KFZ Ausrüstung GmbH in Newwied (Airbag- und Gurtsysteme, Bremsen, Lenkungen und Aufhängungen etc) oder die Stoß-dämpferhersteller Stabilus in Koblenz bzw. Bilstein/ThyssenKrupp in Mandern.

Um die Wettbewerbsfähigkeit und Innovativität der Branche in Rheinland-Pfalz zu fördern, haben sich verschiedene Netzwerke und Kooperationen entwickelt. Die Automobil-Zuliefererinitiative Rheinland-Pfalz steht für die Bündelung und Stärkung der regionalen Automobilzuliefererindustrie und zielt auf die Stärkung und den Ausbau bestehender Bezie-hungen zwischen Herstellern, Zulieferern und Forschungseinrichtungen sowie auf die Unter-stützung interdisziplinärer und überbetrieblicher Zusammenarbeit zwischen den Netzwerk-partnern. Seit dem Jahr 2002 wird jährlich der Tag der rheinland-pfälzischen Automobilzulie-ferer durchgeführt, außerdem zielen verschiedene Veranstaltungen darauf ab, einen Beitrag zu den Informations-, Kooperations- und Qualifizierungswünschen der rheinland-pfälzischen Automobil-Zulieferunternehmen zu leisten.

Der CVC (Commercial Vehcicle Cluster – Nutzfahrzeugcluster Südwest) soll den Produkti-onsstandort in Süden von Rheinland-Pfalz und im Westen von Baden-Württemberg stärken, wo rund ein Viertel des Jahresumsatzes der deutschen Nutzfahrzeugbranche erwirtschaftet wird. Diese Region verfügt mit hunderten von Unternehmen (sowohl Hersteller als auch Zulieferer), Dienstleistern, Fachhochschulen, Universitäten und Forschungseinrichtungen über eine moderne Unternehmens-, Forschungs- und Entwicklungslandschaft im Nutzfahrzeugsektor. Ziel der Aktivitäten des CVC ist die Stabilisierung und Steigerung der Performance und Wettbewerbsfähigkeit der regionalen kleinen und mittelständischen Unternehmen und die Ansiedlung neuer Unternehmen sowie die Profilierung der Region im Südwesten Deutschlands u. a. im Bereich der Rekrutierung und Qualifizierung von Nachwuchskräften für den Nutzfahrzeugbereich.

Das Fraunhofer Innovationscluster Digitale Nutzfahrzeugtechnologie DNT unterstützt ebenfalls die bessere Verzahnung von Wissenschaft und Wirtschaft und legt seinen Fokus ergänzend zu den Aktivitäten des CVC auf eine IKT-gestützte Forschung und Entwicklung. Das Fraunhofer-Innovationscluster „Digitale Nutzfahrzeugtechnologie“ zielt strategisch auf den Kompetenzauf- und -ausbau im Bereich Virtual Engineering und Qualitätsmanagement für die Entwicklung von Nutzfahrzeugen. In Kaiserslautern findet dabei eine optimale Zusammenarbeit der sich ergänzenden Kompetenzen im Bereich Nutzfahrzeugforschung und -technologie statt: Im DNT werden die Kompetenzen der beiden Fraunhofer Institute (Institut für Techno- und Wirtschaftsmathematik, ITWM und Institut für Experimentelles Software Engineering, IESE) und der TU Kaiserslautern mit ihrem Zentrum für Nutzfahrzeugtechnologie (ZNT) zur Lösung von Problemstellungen aus dem gesamten Lebenszyklus eines Nutz-fahrzeuges gebündelt.

Zukünftige Entwicklungen

125 Jahre nach der Erfindung des Automobils wird die Entwicklung künftiger Fahrzeuge von der weltweiten Ressourcenknappheit und den steigenden Umweltauflagen bestimmt. Alternative Antriebstechnologien und Fahrzeugtechnologien werden das zentrale Thema der Branche in den nächsten Jahren sein. Automobil-Zulieferer haben den Wettbewerb um die Beteili-gung am Pkw der Zukunft aufgenommen, indem sie ihre Kompetenzen in die Entwicklung von Innovationen einbringen. Daneben bleibt die zentrale Herausforderung für Fahrzeughersteller und Zulieferer auch in den nächsten Jahren den Kraftstoffverbrauch und damit den CO2-Ausstoß durch Leichtbau zu reduzieren. Dieses Thema bietet allen Unternehmen in der Branche gute Chancen ihre Position im internationalen Wettbewerb auszubauen.

Eingebettete Systeme sowie eine zuverlässige und wirtschaftliche Vernetzung der steigenden Zahl elektronischer bzw. mikrosystemtechnischer Komponenten in den Fahrzeugen spielen ebenfalls eine zunehmende Rolle im Automobil. Hierbei werden Zulieferer immer mehr zum strategischen Partner bei der Entwicklung von High-Tech-Produkten für die Hersteller und übernehmen zunehmend Entwicklungs-, Test- und Produktionsverantwortung auch für kom-plexe Module. Der Anteil von Elektronikkomponenten im Automobil wird nach Prognosen von heute rund 25-30% auf über 40% in den kommenden 10 Jahren ansteigen und Innovationen in den Bereichen Technik, Umweltschutz und Sicherheit (z.B. Fahrerassistenzsysteme) sind sehr gefragt. Dies bietet große Chancen für innovative rheinland-pfälzische Unternehmen, wenn es ihnen gelingt, Energieeffizienz mit Kundenbedürfnissen bezüglich Design, Preis, Komfort, Sicherheit, Fahrdynamik u.a. zu vereinen. Um erfolgreich zu sein, müssen Unternehmen immer wieder strategische Allianzen in der Entwicklung suchen. Hierbei leisten die dargestellten Netzwerke eine wichtige Moderatorenfunktion.

Quellen:
- Ministerium für Wirtschaft, Verkehr, Landwirtschaft und Weinbau (Hrsg.): Industriekompass 2009
- Homepages der jeweiligen Unternehmen und Institutionen

   
   
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